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Camino Finisterre

Es ist Mitte März 2017, der 75. Geburtstag meiner Mutter. Die ganze Familie ist in Würzburg durch die Altstadt unterwegs und ich bin ganz Ohr in einem Gespräch mit meinem Vater. Dabei knicke ich mit dem linken Fuß um und es haut mich zwischen Pflastersteine, Bordsteinkante und Gehweg. Ich kann relativ bald wieder aufstehen und sogar den Rundgang durch die Stadt fortsetzen. Aber im Laufe des Tages wird der linke Knöchel immer dicker, bis ich am Ende gar nicht mehr auftreten kann. Der Besuch bei meinem Arzt am nächsten Tag bringt die Gewissheit, dass es doch ein Bänderriss ist, was meine Brüder eh gleich vermutet hatten. Es ist sogar ein doppelter, das Band innen und außen ist betroffen. Na wunderbar!

 

Karte des gesamten Camino Finisterre, die Strecke in rot bin ich gelaufen, 120km lang
Karte von Google Maps: Durch meinen Bänderriss kamen wir nur langsam voran, Übernachtungen waren in Santiago, Negreira, Santa Marina, Logoso, Cee, dann gelaufen über Finisterre bis Lires, dort übernachtet, nach Muxia, von dort mit dem Bus zurück nach Finisterre, zwei Nächte dort, dann mit dem Bus nach Santiago

Drei Wochen später

Die Woche vor Ostern wollte ich eigentlich den Camino Finisterre laufen. Alles schon geplant, Flüge gebucht. Die Semana Santa, die heilige Woche, das war mir wichtig, mit den Prozessionen an Gründonnerstag und Karfreitag. Von Santiago sollte es zuerst nach Finisterre gehen und dann weiter nach Muxia. Dann wieder zurück mit dem Bus. Ich war schon nach Finisterre gelaufen, zu meinem 40. Geburtstag 2007 und das wollte ich jetzt, zehn Jahre später und kurz vor meinem 50. Geburtstag, wiederholen. Und jetzt sitze ich da mit einem Bänderriss.

Unerwartete Hilfe von Correos

Einige Tage nach dem „Unfall“ bekomme ich eine Mail von Correos, der spanischen Post. Sie würden einen super Gepäcktransport anbieten auf den spanischen Jakobswegen und hätten gerne, dass ich auf meiner Internetseite in Deutschland etwas Werbung dafür machen würde. Gerade die deutschen Pilger wüssten davon leider noch nichts. „Mensch“, dachte ich mir, „das könnte meinen Camino Finisterre doch noch wahr werden lassen, auch mit Bänderriss“. Ich frage meinen Arzt und bekomme zur Antwort, ich solle das ruhig machen, wären ja nur 120 km und gerne danach berichten, wie es mir ergangen wäre. Bei so viel aufmunternden Worten steht der Pilgerei ja eigentlich nichts im Wege. Ich kontaktiere Correos von Deutschland aus und wir vereinbaren ein Treffen an meinem ersten Tag in Santiago. Und ich sage auch gleich dazu, dass ich gerne den Gepäcktransport selber ausprobieren möchte, und zwar auf dem Camino Finisterre.

 

Ich zeige den Mitarbeitern von Correos meine Internetseiten zu den Jakobswegen in Deutschland und Europa
Bei Correos treffe ich Ramon, Rocio, die uns in Empfang genommen hat, und ganz rechts Martha, die alle Unterkünfte auf den Jakobswegen in die Webseite von Correos pflegt

 

Buchen im Internet und per WhatsApp

Die deutschsprachige Internetseite von Correos ist nicht nur dazu da, um den Gepäcktransport zu buchen, sondern damit kann man sich auch hervorragend über alle Unterkünfte auf den verschiedenen Jakobswegen in Spanien informieren. Martha, ganz rechts im Bild, ist höchstpersönlich dafür verantwortlich und sagte mir, dass das eine sehr große Herausforderung wäre, weil ständig neue Unterkünfte dazu kommen. Außerdem gibt es auch weitere Infos zu den Jakobswegen in Spanien. Die Seite ist einfach sehr gut gemacht.

 

Ich habe übers Internet die erste Buchung gemacht und dann jeden Tag abends eine WhatsApp geschrieben, wohin ich am nächsten Tag laufen werde
Auswahl des Weges, dann Start- und Zielort angeben, für die erste Abholung wird eine riesige Auswahlliste an allen Unterkünften in Santiago d.C. angezeigt

 

Damit kann es losgehen auf den Camino Finisterre und ich werde einen großen Rucksack transportieren lassen und einen kleinen als Tagesrucksack für Wasser, etwas Proviant, etwas Wechselkleidung und meine Foto-Ausrüstung mitnehmen. Der große Rucksack zum transportieren lassen ist wieder mein Deuter Futura Pro 42, der mir sonst auch immer treue Dienste leistet. Und als Tagesrucksack habe ich einen kleineren Deuter mit dabei, der bei wenig Gepäck auch als normaler Rucksack für den Jakobsweg durchgehen würde.

 

Das Ende des Jakobswegs ist eigentlich Finisterre, das sogenannte Ende der Welt
Beate Steger mit leichtem Gepäck am berühmten 0er-Stein in Finisterre auf dem Jakobsweg

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